Mein Leben mit Tinnitus

Bei der Erzieherin Anne Gunnerson* begann die Tinnitus-Geschichte mit einem Hörsturz vor fünfzehn Jahren. Betroffen gemacht hat sie, dass ihr Leiden lange nicht ernst genommen wurde – weder von den Medizinern noch von der eigenen Familie. Zum Glück traf sie jedoch auf eine HNO-Ärztin, die ihren Tinnitus diagnostizierte und sie an eine psychosomatische Klinik überwies. Leider musste ihr dann später erklärt werden, dass ihr Tinnitus chronisch sei und sie ihn wohl nicht mehr los werde. Doch die Fachärzte konnten ihr auch Hoffnung machen, dass sie lernen könne, das dauerhafte Pfeifen zu überhören. Diese Aussicht verlieh ihr neue Kräfte: „Ich versuchte, mich nicht weiter zu isolieren, sondern ging wieder auf andere zu. Ich wurde zur ‚Vorzeigepatientin‘.“ Zu dieser Zeit fing sie auch an, sich in der Deutschen Tinnitus-Liga zu engagieren und Selbsthilfegruppen zu besuchen. Andere Menschen kennenzulernen, die genau wie sie an Tinnitus leiden, hat ihr sehr geholfen. „Wer nicht selbst erkrankt ist, kann sich gar nicht vorstellen, was es heißt, einen Tinnitus zu haben. Doch hier in der Gruppe teilen alle diese leidvolle Erfahrung; und deshalb können wir uns auch gegenseitig so gut unterstützen.“

Zusätzlich zum Tinnitus leidet Anne Gunnerson noch an Hyperakusis. Diese Krankheit äußert sich darin, dass Betroffene besonders empfindlich auf Geräusche reagieren. Lärm empfindet sie deshalb als besonders störend. Ihren Beruf als Erzieherin konnte sie deswegen nicht weiter ausüben. Stattdessen entschied sie sich für eine Umschulung und arbeitet seitdem in einem Beruf, in dem es weniger stressig und lautstark zugeht. „Die Töne sind inzwischen die kleinen Schwestern im Ohr, am Tag überhöre ich sie, nur wenn Stress kommt, ist der Tinnitus sofort wieder da.“

Frau Gunnerson möchte anderen Tinnitus-Patienten Mut machen. Sie hat es geschafft zu lernen, mit dem Tinnitus zu leben. Ihr Motto lautet:

„Nicht der Tinnitus bestimmt mein Leben, sondern ich bestimme meinen Tinnitus.“

 


* Name von der Redaktion geändert.