Mein Leben mit Tinnitus

Frau Müller* war schon immer sehr aktiv. Das hängt wahrscheinlich auch mit ihrem Beruf zusammen: Als Sozialpädagogin und Erzieherin hat sie bereits ein Kinderheim geleitet und später ein Pilotprojekt an einer Grundschule etabliert. Obwohl sie bereits seit zwei Jahren pensioniert ist, arbeitet sie noch immer zwei Tage in der Schule. Das macht ihr viel Freude.

Vor mehr als zwanzig Jahren bekam sie Probleme mit den Ohren. Dann war plötzlich der Tinnitus da – und er blieb. „Der Sirenenton hat mich wirklich fertig gemacht.“ Sie probierte alles Mögliche aus, um den Tinnitus zu bekämpfen. Besonders hilfreich waren ihr eine Psychotherapie sowie mehrwöchige Kuren, in denen sie die Tinnitus-Retraining-Therapie kennenlernte. „Es war wichtig für mich, runterzukommen.“ Ärzte empfahlen ihr zudem die Deutsche Tinnitus-Liga, um sich mit anderen Menschen über Tinnitus auszutauschen. Was sie hier lernte, war: „Jeder hat seinen Tinnitus. Und jede Geschichte ist anders.“

Heute nutzt Frau Müller ein Hörgerät sowie einen Rauscher. Ihr Tinnitus hat etwas abgenommen. „Aber meinen Frieden habe ich mit dem Tinnitus noch nicht gefunden. Im Laufe der Jahre habe ich alle möglichen Tinnitus-Geräusche erlebt: heulende Sirenentöne, tiefes Brummen und Rauschen sind immer da.“ Trotzdem mag sie es nicht, wenn man sie bemitleidet. Zum Glück geschieht das nicht so häufig, denn viele bewundern, wie sie mit dem Tinnitus umgeht.

„Prävention“ ist für Frau Müller besonders wichtig. Daher spricht sie oft mit ihren Schülern über Tinnitus. Sinnvoll fände sie eine Unterrichtseinheit zum Thema „Hören und Gehörschutz“. Vielleicht ein weiteres Pilotprojekt, das Frau Müller an ihrer Schule etablieren kann?

 

 

*Name von der Redaktion geändert